Leit­bild

Die­ses Leit­bild dient dazu

  • Interessent*innen den Ver­ein Wür­de und Gerech­tig­keit vorzustellen,
  • die inter­ne Dis­kus­si­on über unse­re Arbeit leben­dig zu halten,
  • Stan­dards zu benennen,
  • allen im Ver­ein ver­bind­li­che Ori­en­tie­run­gen zu geben.

 

Wer wir sind (Unser Selbstverständnis)

Die Ver­ein Akti­on Wür­de und Gerech­tig­keit e.V. ist eine gemein­nüt­zi­ge Initia­ti­ve, die sich für Men­schen­wür­de, sozia­le Gerech­tig­keit und die Unter­stüt­zung benach­tei­lig­ter Arbeitsmigrant*innen haupt­säch­lich aus Ost- und Süd­ost­eu­ro­pa einsetzt.

Der Ver­ein wur­de am 04.01.2019 gegrün­det, nach­dem den Grün­dungs­mit­glie­dern diver­se Miss­stän­de in ver­schie­de­nen Unter­neh­men auf­ge­fal­len sind und erkenn­bar wur­de, dass Arbeit­neh­men­de aus unter­schied­li­chen Her­kunfts­län­dern offen­bar ihre Rech­te nicht ken­nen und/oder wahr­neh­men kön­nen oder sie ihnen ver­wehrt bleiben.

Ähn­li­ches gilt für das Woh­nen: Auch hier füh­ren unse­riö­se Miet- und Unter­brin­gungs­ver­hält­nis­se dazu, dass der Ver­ein sich ver­pflich­tet fühlt einzugreifen.

Aktu­ell beschäf­tigt der Ver­ein fünf haupt­amt­li­che Mitarbeiter*innen, die Kon­takt zu betrof­fe­nen Migrant*innen her­stel­len und pfle­gen sowie juris­tisch bera­ten und beglei­ten. Dane­ben wer­den gezielt inte­gra­ti­ve und inklu­si­ve Maß­nah­men ange­bo­ten, die die Ein­bin­dung in unse­re Gesell­schaft för­dern und die Ent­ste­hung von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten ver­hin­dern sol­len. Ehren­amt­lich Mit­ar­bei­ten­de bie­ten Sprach­kur­se an, damit Inte­gra­ti­on gelin­gen kann.

Der Ver­ein ist Mit­glied im Pari­tä­ti­schen Wohlfahrtsverband.

 

Unse­re Ziel­grup­pe (Für wenn wir da sind)

Wir unter­stüt­zen Arbeitsmigrant*innen, die pri­mär aus Ost- und Süd­ost­eu­ro­pa kommen.

Die Arbeits­kräf­te­mo­bi­li­tät der Bürger*innen inner­halb der Mit­glied­staa­ten ist eines der Grün­dungs­prin­zi­pi­en der Euro­päi­schen Uni­on und wird seit 1957 aktiv geför­dert. Als soge­nann­te „Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit“ bekannt, hat jede*r EU-Bürger*in das Recht, in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on nach einer Beschäf­ti­gung zu suchen oder sich auf eine Stel­le zu bewer­ben. Die­ses Recht ist in §45 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on (AEUV) fest­ge­legt und gemäß §46 des Ver­tra­ges in der Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keits­ver­ord­nung 492/2011 genau­er bestimmt.

Damit die sozia­len Siche­rungs­sys­te­me in Deutsch­land wei­ter­hin funk­tio­nie­ren und die Wirt­schafts­kraft sta­bil bleibt, benö­tigt das Land Jahr für Jahr den Zuzug von min­des­tens 400.000 Arbeitsmigrant*innen.

Wir möch­ten, dass die Arbeits­mi­gra­ti­on, aber auch die sozia­le Inklu­si­on gelingt, die Men­schen, die zu uns kom­men, fair behan­delt wer­den und ein gesun­des gesell­schaft­li­ches Mit­ein­an­der funk­tio­nie­ren kann.

 

Unser Men­schen­bild (Unse­re Haltung)

Unser Han­deln basiert auf den uni­ver­sel­len Men­schen­rech­ten, Soli­da­ri­tät und der Über­zeu­gung, dass jeder Mensch unab­hän­gig von Her­kunft, Sta­tus oder Lebens­si­tua­ti­on ein Leben in Wür­de ver­dient. Die euro­päi­sche Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit erlaubt jedem/jeder EU-Bürger*in, eine Beschäf­ti­gung in einem ande­ren Mit­glieds­staat auf­zu­neh­men – und das zu den glei­chen Bedin­gun­gen wie Ange­hö­ri­ge die­ses Staates.

Wir ver­ste­hen uns als Sprach­rohr für die­je­ni­gen, deren Stim­me oft unge­hört bleibt. Unser Enga­ge­ment rich­tet sich an Men­schen in Not, sei es durch sozia­le Benach­tei­li­gung, pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se oder man­geln­den Zugang zu grund­le­gen­den Rechten.

Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch bestrebt ist, sein Leben selbst zu bestim­men und ihm einen Sinn und ein Ziel zu geben.

Unse­re Hal­tung zeich­net sich durch Respekt, Wert­schät­zung, trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, Akzep­tanz, Inter­es­se, Unvor­ein­ge­nom­men­heit und Neu­gier aus. Neu­gier ver­ste­hen wir als Aus­druck von Neu­tra­li­tät. Sie soll ver­hin­dern, im Sin­ne unse­rer eige­nen Denk­mus­ter zu intervenieren.

Respekt ist frei von Bewer­tung und zielt dar­auf ab, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mus­ter und Hand­lun­gen zuzu­las­sen, ohne sie tei­len zu müs­sen. Akzep­tanz drückt sich aus in der Aner­ken­nung und Ach­tung vie­ler ver­schie­de­ner mensch­li­cher Wel­ten und Phänomene.

 

Unse­re Hil­fe­an­ge­bo­te (Was wir tun)

Wir bie­ten unse­rer Kli­en­tel umfang­rei­che, viel­schich­ti­ge, auf die Bedürf­nis­se der betei­lig­ten Per­so­nen bezo­ge­ne Hil­fen an:

  • Kon­takt­auf­nah­me und –pfle­ge
  • Schaf­fen einer Vertrauensbasis
  • Erken­nen und Benen­nen von Miss­stän­den in der Arbeits­welt, beim Woh­nen etc.
  • Juris­ti­sche Bera­tung und Ver­tre­tung, ins­be­son­de­re in arbeits- und miet­recht­li­cher Hinsicht
  • Unter­stüt­zung beim Umgang mit Behörden
  • Hil­fe­stel­lung bei der Inte­gra­ti­on in Arbeit
  • Ver­mitt­lung von Sprachkenntnissen
  • Sozio­kul­tu­rel­le Inklusion
  • Hil­fe beim Fin­den von fai­ren Arbeitsstellen.

Unse­re Dienst­leis­tun­gen ver­ste­hen wir als Hil­fe­stel­lung zur größt­mög­li­chen Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Leben im Sin­ne einer Hil­fe zur Selbst­hil­fe. Maß­geb­lich dafür ist stets die indi­vi­du­el­le Lebens­welt der Klient*innen. Wir sehen unse­re Auf­ga­ben aller­dings nicht dar­in, Hil­fe zu gewäh­ren, die von ande­ren (z.B. auch staat­li­chen Stel­len) bereits zur Ver­fü­gung stehen.

Über die unmit­tel­ba­re Arbeit mit Klient*innen hin­aus sehen wir unse­re Auf­ga­ben dar­in, die Öffent­lich­keit für das The­ma zu sen­si­bi­li­sie­ren, För­de­rer zu über­zeu­gen und dort, wo es sinn­voll erscheint, Netz­wer­ke zu bil­den oder sich ihnen anzuschließen:

  • Öffent­lich­keits- und Pres­se­ar­beit inkl. Auf­trit­ten im Inter­net und den sozia­len Medien
  • Poli­ti­sche Lob­by­ar­beit und Poli­tik­be­ra­tung auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebene
  • Sen­si­bi­li­sie­rung der Öffent­lich­keit und von Entscheidungsträgern,
  • Bil­dungs­ar­beit und Fortbildungen
  • Erstel­lung von Informationsschriften
  • Durch­füh­rung von Infor­ma­ti­ons- und Fachveranstaltungen
  • Koope­ra­ti­on mit bestehen­den Orga­ni­sa­tio­nen, Insti­tu­tio­nen und Ver­ei­nen mit ähn­li­cher Zielsetzung
  • Zusam­men­ar­beit mit Bildungseinrichtungen.

 

Grund­sät­ze unse­rer Arbeit

Unse­re Hil­fe­an­ge­bo­te sind nied­rig­schwel­lig orga­ni­siert, das heißt, für alle Hil­fe­be­dürf­ti­gen leicht erreich­bar und, falls erfor­der­lich, rasch verfügbar.

Wir bie­ten unse­ren Klient*innen Bezie­hun­gen, die durch Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, Respekt, Ver­läss­lich­keit und Trans­pa­renz gekenn­zeich­net sind.

Wir unter­stüt­zen die Betei­lig­ten dar­in, eige­ne Res­sour­cen zu nut­zen, eige­ne Lösun­gen für ihre Schwie­rig­kei­ten zu fin­den, Ver­ant­wor­tung für sich zu über­neh­men und Zukunfts­per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln (Empower­ment).

Kon­flik­te wer­den offen benannt.

Die Zusam­men­ar­beit und die offe­ne und ver­trau­ens­vol­le Koope­ra­ti­on mit ande­ren Hil­fe­an­bie­tern, Behör­den und Arbeit­ge­bern sind uns beson­ders wichtig.

Wich­tig ist uns auch, ins­be­son­de­re ers­te Kon­tak­te ein­fühl­sam und per­sön­lich zu gestal­ten mit dem Ziel, ver­trau­ens­vol­le Bezie­hun­gen aufzubauen.

Wir behan­deln alle Hil­fe­an­fra­gen mög­lichst schnell. Wir pas­sen unse­re Hil­fe­an­ge­bo­te so weit wie mög­lich auf die aktu­el­len Bedürf­nis­se der Anfra­gen­den an, anstatt die Hil­fe­su­chen­den an die bestehen­den Ange­bo­te anzupassen.

Alle Hil­fen rich­ten sich nach dem Prin­zip „so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“.

Alle Hilfs­an­ge­bo­te sind unentgeltlich.

 

Qua­li­täts­ma­nage­ment

Wir sichern und ent­wi­ckeln die Qua­li­tät unse­rer Arbeit kon­ti­nu­ier­lich im Zusam­men­wir­ken von Vor­stand, Mit­ar­bei­ten­den, Ehren­amt­li­chen und Klient*innen.

Zum QM gehören:

  • die Dis­kus­si­on und Wei­ter­ent­wick­lung die­ses Leitbildes
  • Ver­bes­se­rung der Trans­pa­renz von Lei­tungs­ent­schei­dun­gen für Mit­ar­bei­ten­de und Klient*innen
  • Befra­gun­gen der Klient*innen und Mitarbeitenden,
  • ein sorg­fäl­ti­ger Umgang mit Verbesserungsvorschlägen,
  • Team- und Fallbesprechungen
  • Super­vi­si­on
  • Jähr­li­che Gesprä­che mit den haupt­amt­li­chen Mitarbeiter*innen

Gegen­über unse­ren Mit­glie­dern, För­de­rern, Geld­ge­bern und Klient*innen legen wir gro­ßen Wert auf Zuver­läs­sig­keit und Trans­pa­renz als Grund­la­ge ver­trau­ens­vol­ler Zusam­men­ar­beit. Wir ent­wi­ckeln mit ihnen gemein­sam Pro­jek­te zur Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Lebens­si­tua­ti­on der Men­schen aus unse­rer Ziel­grup­pe, um zu einer gelun­ge­nen Inte­gra­ti­on beizutragen.

Durch Nut­zung von ört­li­chen Medi­en, Inter­net, sozia­len Medi­en, Fort­bil­dun­gen und kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen wol­len wir unse­re Prä­senz in Len­ge­rich, im Kreis Stein­furt und dar­über hin­aus ver­stär­ken, um unse­re Arbeit bes­ser bekannt zu machen und den Inklu­si­ons­ge­dan­ken zu verwirklichen.

 

Unse­re Vereinskultur

Der offe­ne Mei­nungs­aus­tausch zwi­schen Klient*innen, Mit­glie­dern und allen Akti­ven im Ver­ein ist uns äußerst wich­tig. Wir stre­ben eine trans­pa­ren­te und par­ti­zi­pa­ti­ve Unter­neh­mens­kul­tur an, in der die genann­ten Grup­pen zu den wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen des Ver­eins gehört wer­den und sich in der Zusam­men­ar­beit der Ver­eins­gre­mi­en ange­mes­sen beteiligen.

Als ler­nen­de Orga­ni­sa­ti­on stre­ben ein posi­ti­ves Betriebs­kli­ma an, sind wir auf­merk­sam für Ver­än­de­run­gen, Fehl­ent­wick­lun­gen, neue Bedürf­nis­se sowie Mög­lich­kei­ten und stel­len uns auf sie ein.

Wir för­dern Tole­ranz und die wech­sel­sei­ti­ge offe­ne, respekt­vol­le, kon­struk­ti­ve Kri­tik als Grund­be­din­gun­gen lösungs­ori­en­tier­ter Wei­ter­ent­wick­lung. Bei Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten suchen wir, wo es mög­lich ist, nach einem Kon­sens oder nach Kom­pro­mis­sen. Wir wer­den jeder Stig­ma­ti­sie­rung vor­beu­gen und entgegentreten.

Wir wür­di­gen das gro­ße Enga­ge­ment der haupt­amt­li­chen und ehren­amt­li­chen Mitarbeiter*innen und ehren­amt­li­chen Helfer*innen und ihre Iden­ti­fi­ka­ti­on mit den Zie­len des Ver­eins als Basis unse­res Erfol­ges. Die Kul­tur wech­sel­sei­ti­gen Respekts, unab­hän­gig von hier­ar­chi­schen Posi­tio­nen, stär­ken wir und ent­wi­ckeln sie weiter.

Bei allem Bemü­hen, unse­re Arbeit so weit wie mög­lich auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se unse­rer Klient*innen abzu­stim­men, berück­sich­ti­gen wir aber auch die Gren­zen der Leis­tungs­fä­hig­keit unse­rer Mitarbeitenden.

 

Unse­re Visi­on von der Zukunft

Unse­re gesell­schaft­li­che Ziel­vor­stel­lung ist ein selbst­ver­ständ­li­ches Mit­ein­an­der, also Gleich­wer­tig­keit und Nor­ma­li­tät im Zusam­men­le­ben von zuge­wan­der­ten Men­schen und allen ande­ren Bürger*innen in unse­rer Stadt, unse­rem Kreis, unse­rem Land.

Dazu wün­schen wir uns aus­drück­lich von allen Betei­lig­ten gute, auch unkon­ven­tio­nel­le Ideen, die unse­ren Ver­ein leben­dig erhal­ten. Sol­che Anre­gun­gen und Vor­schlä­ge wer­den wir dis­ku­tie­ren, gege­be­nen­falls auf­grei­fen, nach Mög­lich­keit umset­zen und über die­sen Pro­zess Rück­mel­dung geben. Wir bemü­hen uns des­halb um offe­ne inter­ne Struk­tu­ren, ein inno­va­ti­ons­freu­di­ges Kli­ma sowie Zeit und Raum für die Ent­wick­lung und Dis­kus­si­on von Ideen in unse­rem Verein.

Im Ver­bund mit den För­de­rern und allen Anbie­tern wer­den wir uns aktiv dar­um bemü­hen, in unse­rer Ver­sor­gungs­re­gi­on die psy­cho­so­zia­le und recht­li­che Beglei­tung von Arbeitsmigrant*innen zu erhal­ten und zu inten­si­vie­ren. Dazu gehört der Aus­bau der Koope­ra­ti­on mit allen rele­van­ten Diens­ten und Einrichtungen.

Nach­hal­ti­ge Ver­än­de­rung braucht star­ke Bünd­nis­se. Des­halb arbei­ten wir mit sozia­len Ein­rich­tun­gen, poli­ti­schen Akteu­ren, Gewerk­schaf­ten und ande­ren zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen zusammen.