Der Ver­ein Akti­on Wür­de und Gerech­tig­keit hat­te zu sei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung im Fest­saal der LWL-Kli­nik Len­ge­rich Herrn Karl-Josef Lau­mann, Minis­ter für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les in Nord­rhein-West­fa­len und Ver­eins­mit­glied, ein­ge­la­den. Minis­ter Lau­mann sprach zum The­ma: „Arbeits­mi­gra­ti­on – Erfah­run­gen, Her­aus­for­de­run­gen, Chan­cen“. Eine Mil­li­on Hand­wer­ker in NRW, so Lau­mann, haben kei­nen deut­schen Pass. Ohne sie und ohne die vie­len Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die in der Pfle­ge und ande­ren Dienst­leis­tungs­bran­chen arbei­ten, kol­la­biert die Wirt­schaft und die Gesellschaft.

Ent­schei­dend ist aber auch, wie die Arbeits­mi­gran­tin­nen und ‑migran­ten in Deutsch­land leben und arbei­ten. Bei­spie­le für pre­kä­re Beschäf­ti­gun­gen lie­fer­te der Ver­eins­vor­sit­zend Peter Kos­sen in sei­nem Jahresbericht:

„Medi­en­re­cher­chen brin­gen aktu­ell – auch mit Hil­fe unse­res Ver­eins — das Schick­sal von Män­nern aus Indi­en ans Tages­licht, die mit einem Aka­de­mi­ker-Visum von dubio­sen Agen­tu­ren gegen Ver­mitt­lungs­ge­büh­ren von bis zu 15.000 € nach Deutsch­land gelockt wer­den, um sich dann vor Ort in der moder­nen Skla­ve­rei der Fleisch­in­dus­trie wie­der­zu­fin­den. Häu­fig wer­den sie bereits in den ers­ten Wochen wie­der gekün­digt und sofort aus den Unter­künf­ten geworfen.

„Haut bloß ab! Wir kön­nen euch nicht brau­chen!“, das ist die Bot­schaft, mit der sie raus­ge­tre­ten wer­den. Ohne Per­spek­ti­ve und hoch ver­schul­det ste­hen sie buch­stäb­lich auf der Stra­ße und kön­nen weder zurück noch hier­blei­ben. Die Fleisch­in­dus­trie, aber auch die Paket­diens­te, die Gebäu­de­rei­ni­gung und der Bau­sek­tor suchen mitt­ler­wei­le welt­weit nach Arbeits­kräf­ten, die sie wie Maschi­nen anmie­ten, ver­schlei­ßen und dann ent­sor­gen. Mit die­ser „Masche“ umgeht die Fleisch­in­dus­trie die Bestim­mun­gen des Arbeits­schutz­kon­troll-Geset­zes, das die Fest­an­stel­lung in den Berei­chen Schlach­tung und Zer­le­gung vor­schreibt. Als „Akti­on Wür­de und Gerech­tig­keit“ sind wir über­zeugt: Die Dimen­sio­nen des Unrechts – welt­weit und vor Ort – dul­den kein Weg­schau­en und kein Schwei­gen. Wir for­dern dazu auf und ver­pflich­ten uns selbst, kei­ne Kom­pro­mis­se auf Kos­ten der Opfer zu machen, son­dern mutig Men­schen­han­del und Skla­ve­rei zu bekämp­fen. Wir dan­ken Ihnen herz­lich, dass Sie uns durch Ihre Mit­glied­schaft und mit­un­ter durch Spen­den in die­sem Bemü­hen unterstützen!“

Als Ver­ein „Akti­on Wür­de und Gerech­tig­keit“ wol­len wir Arbeits­mi­gran­ten stark machen, damit ihre Inte­gra­ti­on gelingt. Men­schen­wür­dig leben kön­nen muss die Bedin­gung für gute Arbeit sein, nicht ihr Lohn!“

For­ma­li­tä­ten gab es auch. So wur­de Dani­jel Basic als Schatz­meis­ter, Mari­ya Kru­mo­va und Rena­te Tan­ner als Bei­sit­ze­rin­nen bestä­tigt bzw. gewählt.

Anschlie­ßend stell­ten Vene­ra Topor und Dr. Ali­na Anton die Arbeit der Sozi­al- und Inte­gra­ti­ons­be­ra­tung und die Sprach­kur­se vor. Beson­de­ren Ein­druck hin­ter­ließ Cris­ti­na, eine Kli­en­tin, die von ihrem nicht leich­ten, aber erfolg­rei­chen, Weg in die Aus­bil­dung als Pfle­ge­fach­kraft erzähl­te. Anto­nia Lam­mert und Klaus Kör­ner berich­te­ten Grund­sätz­li­ches und Aktu­el­les aus der Rechtsberatung.