Die Zukunft gehört einer inte­gra­ti­ven Gesell­schaft - Abschot­tung und Aus­gren­zung sind so töricht wie unmenschlich!

Am Beginn des Jah­res 2026 hal­ten wir als „Akti­on Wür­de und Gerech­tig­keit“ dar­an fest: In einer von Migra­ti­on gepräg­ten Welt ist Inte­gra­ti­on eine zen­tra­le gesell­schaft­li­che Auf­ga­be. Sie zu bewäl­ti­gen bedarf es pas­sen­der Rah­men­be­din­gun­gen, Krea­ti­vi­tät, Geduld und Res­sour­cen. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist doch nicht ernst­haft, ob wir Migra­ti­on wol­len, son­dern ob wir sie gestal­ten wollen.

In unserm Land wird in höchst frag­wür­di­ger Wei­se über Migran­tin­nen und Migran­ten dis­ku­tiert. Es wird der Ein­druck erweckt, als sei­en sie viel zu vie­le und ins­ge­samt unter­schieds­los eine Über­for­de­rung. Es wird so getan, als sei die Ein­wan­de­rung von vie­len Men­schen in Deutsch­land ein gro­ßer his­to­ri­scher Irr­tum gewesen.

Die ein­zi­ge Chan­ce, nicht zu vergreisen

Die Wahr­heit ist: Migra­ti­on ist nicht in ers­ter Linie ein Pro­blem, son­dern demo­gra­fisch die ein­zi­ge Chan­ce, die wir in Deutsch­land haben, nicht völ­lig zu ver­grei­sen! In den nächs­ten 13 Jah­ren gehen in Deutsch­land 18 Mil­lio­nen „Baby­boo­mer“ in den Ruhe­stand; im glei­chen Zeit­raum wer­den 11 Mil­lio­nen Men­schen bei uns voll­jäh­rig. Das bedeu­tet: Da tut sich in die­sen weni­gen Jah­ren eine Lücke von 7 Mil­lio­nen feh­len­den Arbeits­kräf­ten auf. Ost­deutsch­land ist die demo­gra­fisch ältes­te Regi­on der Welt, älter noch als Japan. Chem­nitz ist demo­gra­fisch die ältes­te Groß­stadt der Welt. Wir brau­chen die Migran­ten! Wir brau­chen den Net­to-Zuzug von min­des­tens 400.000 Men­schen jährlich.

Die Kom­mu­nen ste­hen frag­los vor beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen, denn hier sind feh­len­de Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten, feh­len­de Kita- oder Schul­plät­ze oder Eng­päs­se bei der Daseins­vor­sor­ge deut­lich spür­bar. Es braucht hier eine föde­ra­le Las­ten­tei­lung, die es den Kom­mu­nen ermög­licht, ihre Auf­ga­ben ver­läss­lich zu erfüllen.

Nied­ri­ge Zah­len als Maß­stab für erfolg­rei­che Migrationspolitik?

Die Bun­des­re­gie­rung spricht immer wie­der von der „erfolg­rei­chen Migra­ti­ons­wen­de“ und meint die gesun­ke­ne Zahl von Asyl­an­trä­gen in Deutsch­land. Aber: War­um soll­ten der ein­zi­ge Maß­stab für Erfol­ge in der Migra­ti­ons­po­li­tik nied­ri­ge Zah­len sein? – Das unter­stellt doch ein Ende der rie­si­gen Flucht­be­we­gun­gen welt­weit oder auch eine Besei­ti­gung der gra­vie­rends­ten Flucht­ur­sa­chen. Bei­des ist nicht der Fall, im Gegen­teil! Es zeigt sich viel­mehr: Eine Poli­tik der Abschot­tung und Aus­gren­zung ist so sinn­los wie unmenschlich!

Papst Leo XIV.: Schwe­re Ver­bre­chen in der Migrationspolitik

Papst Leo XIV. hat am 23. Okto­ber die­ses Jah­res gesagt: „Der ernied­ri­gen­de Umgang mit schutz­be­dürf­ti­gen Migran­ten ist kei­ne legi­ti­me Aus­übung natio­na­ler Sou­ve­rä­ni­tät, son­dern viel­mehr ein schwe­res Ver­bre­chen, das vom Staat began­gen oder tole­riert wird. Es wer­den immer unmensch­li­che­re, ja sogar poli­tisch gefei­er­te, Maß­nah­men ergrif­fen, um die­se ‘Uner­wünsch­ten’ wie Abfall und nicht wie Men­schen zu behan­deln. Das Chris­ten­tum hin­ge­gen beruft sich auf den Gott der Lie­be, der uns alle zu Brü­dern und Schwes­tern macht und uns auf­for­dert, als sol­che zu leben.“

Jeden Tag wer­den bei uns Zehn­tau­sen­de von Migran­ten in der Fleisch­in­dus­trie oder bei den Paket­diens­ten ver­schlis­sen und gede­mü­tigt, wer­den zehn­tau­sen­de Migran­tin­nen Opfer von Zwangs­pro­sti­tu­ti­on in unserm Deutsch­land als „Bor­dell Europas“.

Damit Migra­ti­on gelin­gen kann zum Nut­zen tat­säch­lich aller braucht es das Enga­ge­ment der auf­neh­men­den Gesell­schaft vor allem in die­sen Berei­chen: Sprach­kur­se ‑flä­chen­de­ckend und gra­tis, Bil­dungs­chan­cen und Aner­ken­nung von Qua­li­fi­ka­tio­nen, Arbeit jen­seits von Aus­beu­tung und moder­ner Skla­ve­rei, Sozia­ler Sta­tus als Bürger*innen und nicht als Gastarbeiter*innen, Woh­nen und Gesund­heit jen­seits von Schrott­im­mo­bi­lie und Miet­wu­cher, Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung und poli­ti­sche Teil­ha­be auf allen Ebe­nen. Das wird und darf unse­rem Land etwas kosten!

Als Bil­lig­löh­ner will­kom­men, als Mit­bür­ger diskriminiert

Wie ver­lo­gen ist es, wenn die deut­sche Gesell­schaft in vie­len Dienst­leis­tun­gen Drecks- und Schwerst­ar­beit von Migran­ten gern und selbst­ver­ständ­lich annimmt und dann den glei­chen Men­schen man­geln­de Inte­gra­ti­on vor­wirft? Aus der Arbeit mit den moder­nen Skla­ven der Fleisch­in­dus­trie wis­sen wir, dass, wer sechs Tage in der Woche und elf Stun­den am Tag schuf­tet, danach kein Deutsch mehr lernt. Die Alten- und Kran­ken­pfle­ge, die Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on, die Paket­diens­te, die LKW-Fah­rer, die Hotel­le­rie, die Gas­tro­no­mie und der Bau­sek­tor sind Bei­spie­le für Bran­chen, die ohne migran­ti­sche Arbeits­kräf­te in Deutsch­land über­haupt nicht mehr funk­tio­nie­ren wür­den. Die grö­ße­re Ver­ant­wor­tung für gelin­gen­de Inte­gra­ti­on liegt bei der auf­neh­men­den und pro­fi­tie­ren­den Gesell­schaft, also bei uns.

Die kol­lek­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung von Migran­ten setzt den inne­ren Frie­den aufs Spiel in einem Land, in dem mehr als ein Vier­tel der Bevöl­ke­rung einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat. Sie igno­riert, dass Migra­ti­ons­ur­sa­chen wie der Kli­ma­wan­del und die damit ein­her­ge­hen­de Umwelt­zer­stö­rung ihren Ursprung haben gera­de auch in unserm Land und in unse­ren Konsumgewohnheiten.

Als „Akti­on Wür­de und Gerech­tig­keit“ sehen wir mit gro­ßer Sor­ge, wie durch die aktu­el­le Migra­ti­ons­de­bat­te Hoff­nung und Per­spek­ti­ven in der Bevöl­ke­rung bewusst zer­stört wer­den, wie Ängs­te bedient und gan­ze Bevöl­ke­rungs­grup­pen aus­ge­grenzt und dis­kri­mi­niert wer­den. Wir leben und för­dern im All­tag Inte­gra­ti­on, Teil­ha­be und Soli­da­ri­tät und for­dern das Glei­che von der Gesell­schaft und beson­ders von denen, die in unserm Land poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung tragen.

Akti­on Wür­de & Gerech­tig­keit e.V.
Peter Kos­sen, Vorsitzender
Kol­ping­stra­ße 14
49525 Lengerich
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kossen@bistum-muenster.de
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